Werte schaffen Vertrauen

Werte für die Gesellschaft – Warum Vertrauen so wichtig ist

Der internationale Konzern Shell gibt alle 5 Jahre eine Jugendstudie heraus– das letzte Mal im Jahr 2015. Junge Deutsche werden zu ihren Werten und Einstellungen befragt. Die Ergebnisse sind interessant und ausgesprochen ermutigend, denn die Jugend spricht sich klar für Werte aus, die Hoffnung geben.

Doch bevor ich auf die Zukunft eingehe, will ich die Gegenwart beleuchten

– und zwar mit einem sehr starken Scheinwerfer, der grelles Licht abgibt.

Manchmal bin ich sehr empört – wenn nämlich von Unternehmern verlangt wird, sich in die – oft unsinnigen und überbordenden – Auflagen des Staates einzufügen. Und zwar, weil es den Organen in unserer Regierung und der Legislative sowie in der Umsetzung, der Verwaltung, an der erforderlichen Reflexion fehlt. Sie werden vielleicht die Diskussion über die Panama Papers verfolgt haben. Hacker haben durch ein „leak“ im Server einer bekannten und großen Anwaltssozietät auf Panama kriminelle Machenschaften rund um 12 Staatsoberhäupter und Ex-Leader aufgedeckt, aber auch Waffenschieber, Drogenbarone identifiziert, die sich dieser Strukturen bedient haben.

Ich finde es enorm wichtig, dass Verbrechern das Handwerk gelegt und Korruption unterbunden wird…

Zum Beispiel, wenn ein kleines, armes afrikanisches Land durch die Bestechung der Ehefrau des Präsidenten Schürfrechte gratis abgibt an einen Geschäftsmann mit Sitz in Israel, der wiederum nach kurzer Zeit diese Schürfrechte um 1,5 Milliarden Dollar weiterreicht. Die Bewohner von Guinea selbst schauen durch die Finger. Das ist imperialistische Ausbeutung der kriminellen Art und geht gar nicht.

Gleichzeitig haben sich viele Privatpersonen und Organisationen, auch Unternehmen, der Struktur in Panama bedient. Die Gründe können neben den bereits erwähnten kriminellen Machinationen Steuervermeidung, Intransparenz und Verstecken von Vermögenswerten sein. Das muss nicht gleich illegal sein – allenfalls unmoralisch. Ein Fall in der Berichterstattung hat mich dabei sehr berührt: Eine in Konkurs geratene Maschinenfabrik in Deutschland entzog sich durch eine undurchsichtige Gesellschaftsstruktur, so scheint es, der Zahlung von Pensionen an ihre ehemaligen Mitarbeiter. Der Staat, d.h. die Gesellschaft, die Bevölkerung Deutschlands, musste einspringen und die Pensionen finanzieren. Das verletzt meine Wertewelt.

Ein anderes Beispiel mutet wie eine Pauschalverurteilung an – hinter dem Gesellschafter eines vermieteten Betriebsgrundstücks in Deutschland wurde eine panamaische Gesellschaft identifiziert. Unwissende Journalisten und interviewte Anrainer vermuten von vornherein Steuerhinterziehung. Wer allerdings die Steuerregeln kennt, weiß, dass sich die Besteuerung von Einkünften aus Vermietung und Verpachtung nach dem Sitzprinzip orientiert. Wenn eine Liegenschaft in Deutschland oder Österreich situiert ist, dann werden die Gewinne aus der Vermietung eben dort versteuert und nicht im fernen Panama. Leider musste ich feststellen, dass so mancher nicht vollinformierte Finanzbeamte diese Bestimmungen der Doppelbesteuerungsabkommen gar nicht kennt und sofort eine Steuerverlagerung vermutet – so wie eben die Journalisten und nicht-informierte Anrainer. Es ist unzulässig, solche Pauschalverurteilungen vorzunehmen. Jetzt wird die Mehrheit von anständigen, ehrlichen, korrekt arbeitenden Unternehmern in einen Topf geworfen mit einer kleinen Gruppe, die unredlich handelt. Insbesondere wenn Korruption im Spiel ist, verstehe ich die Forderung nach mehr Transparenz.

Dennoch fehlt den Staatsdienern häufig die Reflexionsfähigkeit…

Warum versuchen Menschen immer wieder, die Steuern zu vermeiden – in der Mehrheit auf legale Weise? Vielleicht sollte man darüber nachdenken, wie sehr die Steuerschraube schon überdreht ist? Wieso gibt es Kantone in der Schweiz, die Budgetüberschüsse haben – obwohl sie den Steuerpflichtigen (und zwar nicht nur den Unternehmern, sondern allen, die Einkommen in der Schweiz erzielen) attraktive Steuersätze bieten?

In den letzten Jahren habe ich in meiner Tätigkeit als Steuerberaterin schon so manchen raubritterischen (und nicht ritterlichen) Griff auf Steuersubstrate bekämpft, die dem jeweiligen Staat gar nicht zustanden oder ihm aus der Interpretation formalistischer Regeln einfach in den Schoß fielen.

Es geht so manchem Staat in Europa nicht bestens…

– durch eine falsch verstandene Bankenpolitik beispielsweise, das zeigte sich nicht nur in Island wie in Zypern. Auch Österreich stopfte Steuermilliarden in marode Banken, durch Lobbyismus verführt. Ein Staat hat die Verantwortung darüber nachzudenken, wie mit den erhaltenen Mitteln sorgsam umzugehen ist. Es sind dies nämlich nicht vom Staat, sondern durch die Wirtschaft erwirtschaftete Gelder Wir verlangen vom Staat „Augenmaß“. Überbordenden Bürokratie schafft keinen Mehrwert, sondern belastet und verzerrt unsere Wettbewerbsfähigkeit, z.B. in Bezug auf Länder, die sich zu einem Weniger an Bürokratie verpflichtet fühlen.

Die Steuer- und Finanzwirtschaft eines Landes kann sich nicht über Steueraußenstände beklagen, wenn die dahinter stehenden Unternehmen bereits pleite sind und nicht mehr in der Lage, ihre Steuerschulden zu bezahlen. Es ist auch nicht der Weisheit letzter Schluss, schärfere Maßnahmen zu stipulieren, wenn der jeweilige Steuerkandidat bereits am Boden liegt und nur mehr ausgezählt werden muss. Wir brauchen wieder Rahmenbedingungen, die es Unternehmern ermöglichen, ein einträgliches Business aufzubauen und dann dafür auch Ertragsteuern zu bezahlen.

Kürzlich hatte ich mit einem Klienten eine Diskussion über die Steuermoral in Europa

Es gibt Länder, in denen Umsatzsteuerbetrug in großem Maße toleriert wird; ich will hier niemanden verdächtigen, aber vielleicht schaut die Steueradministration in einem der neueren EU-Länder bewusst oder unbewusst weg oder man ist diesen betrügerischen Aktionen nicht gewachsen. Die Folge ist – ehrliche Unternehmer kommen mit den Marktkonditionen, die im Dunstkreis der betrügerischen Scheinfirmen möglich werden, nicht mehr mit. Sie verlieren Margen und somit auch Deckungsbeiträge und ertragreiches Geschäft. Nur sind das aus meiner Sicht wenige kriminelle Firmen und viele ehrliche unter Druck stehende anständige Unternehmer.

Wo bleibt das Vertrauen?

Vor vielen Jahren war es einfach, in Österreich ein Unternehmen zu gründen. Man war froh, wenn sich jemand dazu entschied, einen Betrieb zu eröffnen. Die Steuernummer bekamen wir als dessen Steuerberater rasch zugeteilt. Besuche des Erhebungsdienstes kamen kaum vor. Heute dauert es eine Ewigkeit, bis das Finanzamt die Steuernummer zuteilt. Und bis man eine Bankverbindung eröffnen kann, vergehen Monate. Der Unternehmer kann noch keine Geschäfte tätigen, weil die Administration ihn daran hindert. Jede Gründung, so scheint es, wird gemessen an der Pauschalvermutung, dass der potentielle Unternehmer unredlich sein könnte. Warum: weil ein ganz wichtiger Wert verloren gegangen ist, das Vertrauen. Man meint, mit mehr Kontrolle alles in den Griff zu bekommen und übersieht dabei, dass der essentielle Wert, den unsere Gesellschaft, unsere Menschheit in den letzten 40.000 Jahren entwickelt hat, das Urvertrauen, der Zusammenhalt, das Zugehörigkeitsgefühl, bewusst oder unbewusst zerstört wird. So geht das nicht. Vertrauen muss wieder her. Wenn der Staat uns Unternehmern nicht mehr vertraut, wie sollen wir ihm vertrauen?

Sie werden jetzt vielleicht sagen: der Staat sind ja wir. Nein, das sind wir schon lange nicht mehr, denn die Bürgerrechte wurden immer weniger und die Bürgerpflichten und Knebelungen nehmen zu. Ich hätte mir seinerzeit nicht vorstellen können, dass eines Tages unsere Realität George Orwells Überwachungsstaat aus „1984“ überholt; weit hamma’s bracht…

Der Zustrom an Flüchtlingen hat die Wertediskussion zwar neu entfacht…

aber auf einer anderen Ebene. Das Misstrauen pflanzt sich fort auf das Fremde, statt dass wir unser Misstrauen prinzipiell hinterfragen und auch vor unserer eigenen Tür kehren.

Wenn ich dann die jungen Menschen ansehe, denke ich mir oft: wir leben ihnen ein verkehrtes Weltbild und Wertebild vor. Vertrauen – aus der Urfamilie heraus geschöpft – bildet die Basis für das Aufeinander-Zugehen. Ob der fehlenden Reflexion der Politik verstehen wir auch die Politikverdrossenheit. Diese trifft nicht nur die Jungen, sondern auch Menschen, die in den 1968ern in eine Aufbruchsstimmung versetzt wurden, einen Hype erlebt haben. Die Ernüchterung ist groß.

Und so komme ich auf die Jugend zurück. Sie macht mir Hoffnung, ihre Zukunft ist abzusichern…

Einige Kernaussagen der Shell Jugendstudie:

Familie steht in der Wertewelt der Jungen mit 90% ganz oben. Leistungswille sowie Phantasie und Kreativität sind mit 86% und 84% ebenfalls die Renner. Auch Gesetz und Ordnung zu respektieren hat einen hohen Stellenwert für die Jugend. Der Blick in die Zukunft ist optimistisch. Respekt vor dem anderen und dessen Andersartigkeit wird besonders stark von der weiblichen Jugend eingefordert.

Für die heutige Jugend ist die Auseinandersetzung mit Mut und Zivilcourage ein wichtiger Schritt, als Mensch den eigenen Beitrag für die Gesellschaft zu finden und zu leisten.

Bildung ist ein Garant für mehr Selbstsicherheit auf dem Weg zu Mut und Zivilcourage. Ich persönlich mache mich daher dafür stark, sowohl die Lehrer als auch die Schüler zu stärken, damit der Fokus wieder auf Bildung und persönliche Weiterentwicklung gelegt wird.

Ich unterstütze deshalb Projekte, die es sich zur Aufgabe machen, Bildung und persönliche Weiterentwicklung in unserem Sprachraum Österreich, Deutschland, Schweiz und Südtirol zu ermöglichen und zu verbessern.

Vor mehr als 70 Jahren wurden junge Menschen – die Geschwister Scholl – für ihren Aufruf getötet:

Freiheit der Rede, Freiheit des Bekenntnisses, Schutz des einzelnen Bürgers vor der Willkür verbrecherischer Gewaltstaaten, das sind die Grundlagen des neuen Europa.“ (Auszug aus dem fünften Flugblatt der Weißen Rose)

Dieser Aufruf hat noch immer Gültigkeit. Wir sind verpflichtet die mutige Jugend davor zu schützen, dass sie für ihre Zivilcourage in Mitleidenschaft gezogen wird.

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