Realwirtschaft und Krise

Die Finanzgeschichte & ihre Konsequenzen – Teil 1

„Geld ist geprägte Freiheit“ – das meinte schon Dostojewski.  Aber wie sieht es mit dieser Freiheit tatsächlich aus?

Die Schere zwischen reich und fleißig geht immer mehr auseinander. 100 Österreicher und Österreicherinnen besitzen fast 14% des Nettovermögens, während die ärmsten 14% Nettoschuldner sind.

Finanzgeschichtlicher Rückblick

Auch die Real- und Finanzwirtschaft driften ungesund auseinander, hier nun ein kleiner Ausschnitt, wie es dazu kommen konnte.

Entwicklungen nach dem 2. Weltkrieg

Nach dem 2. Weltkrieg erhielten Deutschland und Österreich Kredite zum Wiederaufbau, mussten aber im Gegenzug amerikanische Unternehmen beauftragen. Dies führte dazu, dass sich der US Dollar als Leitwährung etablierte.

Allerdings ging der US Dollar in den Siebzigerjahren in die Knie, die Goldreserven von Fort Knox schmolzen dahin, weshalb  Richard Nixon 1971 den Dollar vom Gold entkoppelte.

Daraufhin setzte ein Wirtschaftseinbruch sondergleichen ein, als Konsequenz davon waren Großinvestoren auf der Suche nach einer neuen Ertragsquelle und stießen auf die Finanzwirtschaft.

Die Liberalisierung der Finanzwirtschaft

Finanzmagnaten dieser Zeit übten angesichts der Rezession und Arbeitslosigkeit Druck auf die Regierung und Wirtschaft aus, unter dem Motto „Weniger Staat, mehr Privat“. Anschließend erfreute sich besonders der Bankensektor an der neuen Liberalisierung und entdeckte ihre eigenen Kasinogeschäfte, die Spekulationen.

Die Neu-Entdeckung der Derivate

Als die Realwirtschaft noch an erster Stelle stand, kam den Derivaten lediglich die Funktion der Risikoabsicherung zu, dem sollte ab jetzt nicht mehr so sein.

Zu dieser Zeit herrschte der kalten Krieg und es machte sich Angst vor den ABC-Waffen breit, aber klammheimlich wurde noch eine weitere Massenvernichtungswaffe der anderen Art entwickelt, die Kategorie D – Derivate. Warren Buffet warnte vor der finanziellen Massenvernichtungswaffe, nannte sie eine Zeitbombe, und sollte damit Recht behalten.

Und so funktioniert diese Waffe: Man nimmt einen Kredit bei der Hochfinanz auf, setzt 10% des eigenen Geldes ein, bekommt 90% zinsenlos von der EZB und spekuliert. Entweder man ist ein kleiner Fisch und die Hochfinanz und die EZB lässt einen über die Klinge springen beim großen Blopp oder man gehört zum glücklichen Kreis der 147 Entscheidungsträger und darf weiterspielen.

Der Untergang von Long Term Capital Management (LTCM)

In den 90ern wurde LTCM zum legendären Hedgefonds durch Hebelung, horrende Summen und Wahnsinnsgewinne. Es folgte der Wirtschaftsnobelpreis für das Theoretiker-Team. Aber der Höhenflug sollte nicht lange anhalten. 1997 brach die Asienkrise aus und LTCM stand vor dem Nichts. Wenn man Einsätze durch Kredite hebelt, dann ist das Desaster unausweichlich. Trotzdem konnten die Banken und die FED dies nicht zulassen, da es einen Dominoeffekt ausgelöst hätte. Also spielte man die Konsequenzen herunter und der fast bankrotte Hedgefonds wurde verkauft und deren Bilanzen geschönt.

Die Subprime Blase und die Eurokrise

Nachdem die Dot.com Blase 2000/01 einige Existenzen vernichtete, folgte 2007/08 die nächste Katastrophe: die Subprime Blase und der Zusammenbruch der Lehman Brothers. Und um das Ganze noch auf die Spitze zu treiben, verscherbelten amerikanische Banken das Subprimerisiko an die unbedarften deutschen Kollegen.

Dann folgte 2009 die Eurokrise, sodass das System 2011 so ausgehöhlt war, dass zum ersten Mal die Bürger zum Handkuss kamen.

Griechenland kam unter den Rettungsschirm, allerdings floss die EU-Hilfe zu 90% in die Bedienung des Kapitals, das von Finanzmagnaten zur Verfügung gestellt worden war.

In Zypern löste man das Problem des Finanzplatzes mit einer Zwangsabgabe der Kontoinhaber, welche bis zu 50% ihrer Spareinlagen verloren und im Gegenzug  wertlose Aktien der Bank of Cyprus bekamen.

Teil 2 folgt: Die Zukunft des Finanzsektors?

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